KRYSZON · SATIRE

Satirischer Kommentar

Willkommen in der Gemeinde – Ihre Steuern sind erwünscht, Ihr Auto nicht!

Eine Geschichte über Integration, Eigentum und die erstaunliche Kunst, Bürgernähe mit einem Halteverbotsschild zu demonstrieren.

PLOMBIÈRES / MONTZEN

Es gibt viele Möglichkeiten, einen zugezogenen Bürger in einer Gemeinde willkommen zu heißen. Man könnte ihn freundlich begrüßen, ihm bei Behördengängen helfen oder sich darüber freuen, dass jemand ein Haus kauft, investiert, lokale Unternehmen unterstützt und fortan zum Steueraufkommen beiträgt.

Man kann aber auch einfach ein paar Verkehrsschilder aufstellen.

Für Letzteres hat man sich offenbar in einem beschaulichen Ortsteil der Gemeinde Plombières entschieden.

Eigentum verpflichtet – vor allem zum Wegparken

Ein Zugezogener, der den möglicherweise etwas naiven Gedanken hegte, mit dem Kauf eines Eigenheims auch ein Stück Heimat erworben zu haben, musste feststellen, dass Eigentum in seiner neuen Gemeinde offenbar eine besondere Bedeutung besitzt.

Das Haus darf er besitzen. Die Steuern darf er bezahlen. Die Straße vor seinem Haus darf er betrachten.

Nur sein Auto soll er dort bitte nicht abstellen.

Denn aus bislang nicht nachvollziehbar geklärten Gründen wurde das Parken unmittelbar vor seinem Eigentumshaus verboten.

Natürlich gehört die öffentliche Straße nicht dem Hauseigentümer. Das ist auch dem Zugezogenen bewusst. Allerdings könnte man auf die verwegene Idee kommen, dass ein Parkverbot eine sachliche und nachvollziehbare Begründung haben sollte.

Aber vielleicht ist gerade das der Denkfehler.

Transparenz ist gut. Geheimnisse sind spannender.

Während gewöhnliche Bürger bei Verkehrsmaßnahmen Fragen nach Sicherheit, Verkehrsfluss oder konkreten Gefahren stellen, scheint der eigentliche Reiz dieser Geschichte in der Suche nach dem Warum zu liegen.

Warum ausgerechnet dort? Welches konkrete Problem sollte gelöst werden? Und weshalb bleibt die Begründung für den betroffenen Anwohner bislang unklar?

Fragen über Fragen.

Möglicherweise verfolgt man ein modernes Verwaltungskonzept: Je weniger der Bürger versteht, desto länger bleibt er mit der Verwaltung im Gespräch.

Das fördert schließlich den Austausch zwischen Bürgern und Behörden – wenn auch nicht unbedingt das gegenseitige Vertrauen.

Integration durch tägliche Bewegung

Dabei darf man die gesundheitlichen Vorteile keinesfalls unterschätzen.

Wer nicht mehr vor seinem Haus parken kann, muss unter Umständen weiter laufen. Das fördert die Fitness, verbessert die Durchblutung und bietet ausreichend Gelegenheit, über den Sinn kommunaler Entscheidungen nachzudenken.

Und das Beste daran: Die Gemeinde braucht dafür weder Fitnessgeräte noch kostspielige Gesundheitsprogramme.

Ein Verkehrsschild genügt.

Vielleicht sollte man dieses innovative Konzept künftig offiziell als kommunales Bewegungsprogramm vermarkten:

„Fit durch Verwaltung – jeder zusätzliche Meter zählt!“

Die Steuern dürfen selbstverständlich bleiben

Besonders bemerkenswert ist die feine Unterscheidung zwischen erwünschter und unerwünschter Anwesenheit.

Als Eigentümer, Steuerzahler und Wirtschaftsteilnehmer ist der Zugezogene selbstverständlich willkommen.

Seine finanziellen Beiträge zum Gemeinwesen nehmen den gewohnten Weg. Sein Auto hingegen muss sich einen anderen suchen.

Eine bemerkenswert effiziente Form der Integration: Der Bürger gehört dazu, solange er seinen Verpflichtungen nachkommt. Ob seine alltäglichen Bedürfnisse bei kommunalen Entscheidungen ebenfalls berücksichtigt werden, ist eine andere Frage.

Ein Schild sagt mehr als tausend Antworten

Natürlich hat jede Gemeinde das Recht und die Pflicht, den öffentlichen Verkehr zu regeln. Und selbstverständlich können Halte- und Parkverbote aus guten Gründen erforderlich sein.

Genau deshalb wäre es doch eine Kleinigkeit, diese Gründe verständlich offenzulegen.

Eine konkrete Erklärung könnte die Angelegenheit vermutlich erheblich vereinfachen.

Aber wo bliebe dann die Spannung?

Bis dahin bleibt dem Zugezogenen wenigstens eine beruhigende Gewissheit:

Sein Haus steht noch dort, wo er es gekauft hat. Seine Steuerpflicht ebenfalls.

Nur sein Auto nicht.


Ein kleiner Vorschlag zur Verbesserung der Willkommenskultur

Vielleicht sollte die Gemeinde ihre Begrüßungsschreiben für neue Einwohner künftig um folgenden Hinweis ergänzen:

„Herzlich willkommen in Plombières! Wir freuen uns über Ihre Entscheidung, hier Eigentum zu erwerben, zu investieren und Steuern zu zahlen. Bitte beachten Sie jedoch, dass daraus keinerlei Erwartungen hinsichtlich einer nachvollziehbaren Parkplatzregelung vor Ihrem Haus entstehen sollten. Wir danken für Ihr Verständnis – insbesondere, wenn Ihnen die Gründe für die Einschränkung noch nicht bekannt sind.“

Denn eines muss man der Gemeinde lassen:

Sie hat es geschafft, dass sich ein Zugezogener schon kurz nach dem Erwerb seiner Heimat eine ganz grundlegende Frage stellt:

„Bin ich hier eigentlich angekommen – oder stehe ich nur im Weg?“